Pädagogik

Natur- und Waldkindergärten

sind eine Antwort auf die veränderte Lebenssituation unserer Kinder. Sie gelten als die innovativsten Bildungseinrichtungen im Vorschulalter. Natur- und Waldkindergärten sind ein ökologisches und ökonomisches Thema der Gegenwart und Zukunft. Die Persönlichkeit eines Menschen erhält ihr Fundament in der Kindheit. Natur- und Waldkindergärten stärken und stabilisieren in besonderer Weise die kindliche Entwicklung. Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur erleben und erfahren die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit von ihr. Sie erfahren sich als Teil vom Ganzen. Noch im Erwachsenenalter werden diese Kinder durch die Erfahrungen, die sie mit der Natur gemacht haben, geprägt sein. Sie werden diese lieben, achten und schützen. Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für die Kinder. Wald- und Naturkindergärten fördern in selbstverständlicher Weise die Bewegung und die körperlichen Aktivitäten der Kinder.

Die Natur bietet reichhaltige Möglichkeiten an Spielmaterialien und Spielzeug. Die Kinder konsumieren nicht, sondern haben die Möglichkeit selber kreativ zu sein und sich ständig auf neue Situationen einzustellen und dafür Lösungen zu finden. Dies fördert das soziale Lernen in der Gruppe. Auch Kinder mit motorischen Auffälligkeiten haben durch unzählige Gelegenheiten im Wald die Möglichkeit, ihre Defizite auszugleichen bzw. ,,aufzuholen”. Durch allerlei Erfahrungsmöglichkeiten bei Wind und Wetter werden Kinder einen wachsamen und fürsorglichen Umgang mit sich, der Gruppe und ihrer Umwelt erlernen. Kinder haben die Chance, gegenüber grundlegenden, sich permanent wandelnden Lebensprozessen aufmerksam zu werden und die Vielfalt der Natur im Jahreszyklus zu erleben.


Vorteile für das Kind.

Aus medizinischer Sicht ist der regelmäßige Aufenthalt in der Natur eine Notwendigkeit, denn es stärkt das Immunsystem des Körpers. Damit werden die körpereigenen Kräfte mobilisiert, mit krankheitsbedingten Erregern schneller und nachhaltiger fertig zu werden. Die überheizten Räume, in denen wir leben, spielen und arbeiten, erschweren oft diesen Effekt. Weiterhin wurde auch festgestellt, dass die Bewegung in der Natur hilft, Stress abzubauen. Für Kinder bedeutet dies geringere Lärmbelästigung als in geschlossenen Räumen, weniger Reizüberflutung durch künstliche Farben und Düfte. Es ist beängstigend, wie viele Kinder heute unter stressbedingten Erkrankungen wie Schlaflosigkeit, Nervosität, Magenverstimmungen und Kopfschmerzen leiden. Ein Drittel der Kinder erhalten heute regelmäßig Medikamente. Viele Kinderärzte stellen bei Kindern vermehrte Haltungsschäden und Übergewicht fest.

Im Wald gibt es keine Tische und Stühle, und es kommt dem natürlichen Drang der Kinder, sich zu bewegen, entgegen. Die verschiedenen Untergründe und Ebenen ermöglichen den Kindern, ihre gesamte Motorik im Laufe eines Vormittages in Anspruch zu nehmen. Dadurch haben wir eine Prophylaxe gegen Haltungsschäden und Übergewicht.

LehrerInnen stellen vermehrt fest, dass Schulkinder unter Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) und Dyskalkulie (Rechenschwäche) leiden. Auch hier ist oft der Bewegungsmangel und fehlende Stimulierung der Sinne in den ersten Lebensjahren verantwortlich. Jean Ayres, Psychologin und Beschäftigungstherapeutin, beschrieb in ihrem Buch „Bausteine der kindlichen Entwicklung“, wie wichtig die Bewegung für die Entwicklung des Gehirns ist.

Das Spielen in Wald und Natur mit den einfachen Dingen wie Holzklotz, Tannenzapfen, Gräsern oder das Erleben von Abenteuern in Höhlen, Bäumen und mit anderen Kindern kann einem späteren Suchtverhalten vorbeugen. Der Psychotherapeut Ekkehard Schiffer schrieb in seinem Buch „Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde“, wie wichtig diese natürliche Umgebung in der Natur für die Kinder ist. Kinder, die eine solche Kindheit hinter sich haben, gehen selbstbewusster und gestärkt vom Natur- und Waldkindergarten in die Schule.

aus: www.bundesverband-waldkinder.de

Auf die einfachen Dinge des Lebens konzentrieren.


Das Konzept

unseres Waldkindergartens beruht auf langjährigen Erkenntnissen der Pädagogik und der Überzeugung, dass die wahren Bedürfnisse der Kinder in der "modernen" Welt meist zu kurz kommen.

Nahezu alle Kinder wachsen heute in einer reizüberfluteten Umwelt auf. Sie wissen wohl, wie man einen Fernseher, Videorecorder und einen Computer ,,bedienen" kann, jedoch sehr wenig von Abläufen in der Natur. Wenn doch, dann fast nur aus zweiter Hand. Die Kinder sitzen viel auf Stühlen und bewegen sich sehr viel weniger als noch vor einigen Jahren. Dadurch kommt es schon bei den Kleinsten zu vermehrten Haltungsschäden. Unsere Kinder werden jeden Tag für Stunden mit akustischen und visuellen Reizen überschüttet. Sie sind anfällig für Infektionskrankheiten, Allergien, Haltungsschäden usw.

Durch die Gründung eines Waldkindergartens möchten wir Kindern, Eltern und Mitarbeitern/innen die Möglichkeit geben, sich wieder auf die einfachen Dinge des Lebens zu konzentrieren: auf die Natur!

Wir wollen erleben,



  • was Natur bedeutet! 
  • wie Tier und Mensch im Zusammenklang mit der Natur leben können!
  • wie wir die Natur schützen!

Die Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen, leben mit der Natur. Dadurch wird der Grundstock für folgende Dinge gelegt:

  • Übernahme von Verantwortung über die Natur 
  • Schärfung des Naturbewusstseins
  • Sensibilisierung für Vorgänge, die in der Natur und auch bei uns selbst ablaufen
  • die Kinder bewegen sich freier
  • Stärkung des körperlichen und seelischen Gleichgewichtes
  • Stärkung der Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele
  • Stärkung des Selbstwertgefühle
  • Förderung der Kreativität und der Konzentrationsfähigkeit
  • Stressabbau
  • Förderung des Wahrnehmungsvermögens, Stärkung des Immunsystems
  • Förderung der gesamten Fein- und Grobmotorik sowie auch der anderen Sinne

Ein enger Kontakt zu den Eltern wird angestrebt. Dazu gehören Elternarbeit unterschiedlichster Themenstellungen genauso wie Einzelgespräche und Hausbesuche. Gemeinsame Vorbereitung und Durchführung von Festen, Ausflügen und themenorientierte Projekte sind fester Bestandteil der Zusammenarbeit mit den Eltern.

aus: www.bundesverband-waldkinder.de


Mehr Informationen zum Thema
finden Sie in

„Der Waldkindergarten“ von Ingrid Miklitz, erschienen bei Luchterhand, ISBN 3-472-03943-4

„Kinder unterm Blätterdach“ von R. Michael-Hagedorn und K. Freiesleben, erschienen bei borgmann publishing GmbH, ISBN 3-86145-184-0

„Waldkindergärten“ von S. Köllner und C. Leinert, erschienen bei RIWA-Verlag, ISBN 3-932374-05-3